Definition

„Dark Patterns sind Entwurfsmuster, die in der digitalen Welt Nutzer:innen zu Handlungen verleiten, die ihren eigentlichen Interessen zuwider laufen.“

Das Phänomen Dark Patterns wurde insbesondere aus Sicht des Interfacedesign bereits vielfach beschrieben und untersucht. Eine einheitliche, allgemeingültige Definition des ursprünglich durch Brignull geprägten Begriffs gibt es jedoch nicht. Wir legen Dark Patterns zunächst eine weite Definition zu Grunde, die alle Kernelemente der gängigen Beschreibungen beinhaltet:

Der Begriff der Entwurfsmuster ("design patterns“) stammt ursprünglich aus der Architektur und beschreibt eine von einem konkreten Anwendungsfall abstrahierte Vorlage zur Lösung eines wiederkehrenden Gestaltungsproblems. Die Computerwissenschaften griffen diesen Begriff, etwa im Bereich des Interfacedesigns ("user-interface design“), auf. Ziel des Interfacedesigns ist die optimierte Gestaltung von Benutzer:innenschnittstellen, d.h. der Interaktionen zwischen Mensch und Maschine, die in Zeiten der Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche eine herausragende Rolle einnimmt und sich zu einem zentralen Faktor in der digitalen Wirtschaft entwickelt. Designer:innen bedienen sich ihrer etwa, um Oberflächen und Bedienelemente für Nutzer:innen nachvollziehbar zu gestalten.


Da die Betrachtung des Phänomens Dark Pattern bislang vornehmlich aus der Perspektive des Interfacedesigns erfolgt, wird der Begriff fast ausschließlich auf den Bereich digitaler Umgebungen angewandt. Dazu zählen etwa soziale Netzwerke, Shopping-, Reise- und Buchungsportale, aber auch alle sonstigen Webseiten oder Apps, auf denen Benutzer:innen selbst Handlungen vornehmen können. Zwar erscheint es nicht fernliegend, das Konzept von Dark Patterns auch auf die analoge Welt zu übertragen – etwa auf Kaufanreize durch das Arrangement von Supermarktregalen im Kassenbereich. Die Beschränkung auf digitale Umgebungen ist jedoch auch deshalb zur Analyse von Dark Patterns zweckmäßig, weil digitale Konstrukte mächtiger und nuancierter wirken können als ihre nicht-digitalen Pendants.

Ziel- oder Betroffenengruppe von Dark Patterns sind alle (End-)Nutzer:innen ([end] user). Bestimmte Personengruppen wie z.B. Verbraucher:innen oder Kinder scheinen bisher nicht mehr oder weniger betroffen. Da Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Gruppenzugehörigkeiten allerdings mehr oder weniger anfällig für Beeinflussung sein können, sind spezialisierte Dark Patterns denkbar.

Die Verhaltensweisen der Betroffenen, die als Reaktion auf Dark Patterns erfolgen sollen, werden uneinheitlich beschrieben. Sie können etwa bereits im Anklicken eines Cookie-Banners oder den Abschluss eines Kaufvertrags liegen. Teilweise wird auch auf die Offenbarung persönlicher Daten abgestellt. Letztlich kann die konkrete hervorzurufende Reaktion aber in einer Vielzahl von Verhaltensweisen, auch in einem Unterlassen oder Dulden liegen.

Dark Patterns sind eindeutig negativ konnotiert, ihnen wohnt ein moralisches Unwerturteil inne. Sämtliche Beschreibungen implizieren, dass Dark Patterns eine schädliche Wirkung für die Ziel- bzw. Betroffenengruppe entfalten, benennen allerdings kein eindeutig betroffenes Rechtsgut . Die Rede ist etwa von „Nachteilen“, „negativen Konsequenzen“, oder „Dingen, die nicht gewollt sind“, also letztlich eine Wirkung entgegen der eigentlichen „Interessen“ oder „Präferenzen“ der Betroffenen.

Es ist jedoch fraglich, ob ein solch diffuser „Interessens-“ bzw. „Präferenzbegriff“ das Phänomen adäquat beschreibt und rechtlich operationalisierbar macht. Alternativ könnte man auf die Beeinträchtigung der Entscheidungsautonomie, bzw. der freien Willensbildung, abstellen oder den Modus der Beeinflussung betrachten. Ein solche Sichtweise hat sich aber noch nicht durchgesetzt.

Ein bestimmtes Design als solches erklärt nicht, warum dies Nutzer:innen in einer bestimmten Weise beeinflusst. Die Wirkmechanismen von Dark Patterns sind indes vielfältig: sie manipulieren, täuschen oder legen herein, nötigen, bzw. zwingen oder steuern. Ein großer Teil dieser Mechanismen macht sich aber im Kern verhaltenspsychologische oder verhaltensökonomische Effekte, wie die Loss Aversion, Biases oder Heuristiken, zunutze. Bei anderen finden sich Elemente der (empirischen) Designforschung oder Mischungen aus mehreren Disziplinen. Eine allumfassende Erklärung für die Wirkweise von Dark Patterns gibt es aber nicht.

Hier finden Sie eine Klassifizierung der Arten von Dark Patterns und einzelne Beispiele: